Ich bin eine Online-Shopperin!

Dieser Tage protestierten Einzelhändler in meinem Stadtviertel Hamburg-Eimsbüttel mit einer bislang in der Hansestadt einmaligen Aktion gegen die wachsende Konkurrenz im Internet und das daraus resultierende drohende Ladensterben – das ging durch alle Medien. Doch ist der Einkauf im Internet tatsächlich so verwerflich?Gut 60 Eimsbütteler Geschäfte haben an der Protestaktion teilgenommen und ihre Schaufenster für einen Tag lang verdunkelt. Indes, so schreibt beispielsweise die Onlineausgabe der Frankfurter Rundschau, sei der Verkaufsbetrieb weitergegangen. Auf den Plakaten zur Aktion stand: “ So sieht es im Viertel aus, wenn alle nur noch im Internet kaufen“. Außerdem hätten sich die teilnehmenden Einzelhändler geweigert, Postpakete für ihre Nachbarn anzunehmen, stattdessen hätten sie seit Tagen dazu aufgerufen: „Support your local dealer“, schreibt die Zeitung weiter.

Ich bin angesichts solcher Aktionen hin und her gerissen. Einerseits habe ich mein ganzes Studium im Einzelhandel gejobbt und weiß aus jahrelanger Erfahrung um dessen Vorzüge und Nachteile – sowohl für die Kunden als auch für die Angestellten. Meine Mutter arbeitet noch heute in einem lokalen Spielzeugladen. Und auch mein Mann hat jahrelang im Einzelhandel den Unterhalt unserer Familie verdient. Grund genug für uns, den Einzelhandel zu unterstützen, möchte man meinen. Dennoch kaufe ich nahezu alles im Internet. Außer Lebensmittel. Und das hat ebenfalls einen guten Grund: Ich spare Zeit. Und damit muss ich als Mutter dreier Kinder mit dem vierten in naher Aussicht und im Homeoffice arbeitende Journalisten sorgsam umgehen. Jeden Weg, den ich mir an Zeit erspare, stecke ich in die Familie oder die Arbeit. Und das hilft mir, all die Tausend Dinge, die unseren Alltag ausmachen, unter einen Hut zu bekommen.

Ich gebe zu, ohne das Internet wäre ich aufgeschmissen. Als vorwiegend Online-Journalistin sowieso. Da hätte ich weder Auftraggeber noch Aufträge. Ich hätte keinen Job und keine Einkünfte. Ich könnte meinen Traum vom Leben mit Arbeit und Familie nicht verwirklichen. Deshalb kann ich das Internet keinesfalls verteufeln. Viele meiner Auftraggeber versuchen, übers Internet Waren und / oder Dienstleistungen zu verkaufen, dabei unterstütze ich sie. Kurz: Ich brauche das Internet. Und da ich mich in seienn Weiten gut auskenne und von morgens bis abends dienstlich darin unterwegs bin, ist der Einkauf diverser alltäglicher Dinge dort für mich ganz selbstverständlich. Ganz nebenbei spare ich oft auch Geld mit Ageboten im Internet. Insbesondere beim Kauf von Kosmetika und Medikamenten. Erstere kaufe ich seit Jahren, ich brauche also keine Beratung zu den Produkten, deshalb hole ich sie mir ebenso wie Medizin, die ich sowieso im freien Verkauf erwerben muss, aus einer günstigen Versandapotheke im Internet. Nur ein Beispiel: Für das Bio-Haarshampoo bezahle ich dort einen Euro weniger als in meiner Lieblingsdrogerie. Wir sind noch zu Fünft, davon drei Langhaarige, ich spare also allein hier schon jede Menge Geld.

Ich kann jedoch auch die Argumente der Einzelhändler verstehen. Na klar! Dennoch meine ich, dass die Zukunft Änderungen für den herkömmlichen Einzelhandel mit sich bringen wird. Und wer sich vehement gegen die Konkurrenz des Internethandels wehrt, statt selbst eine Internetexistenz in Erwägung zu ziehen, quasi als ergänzendes „Standbein“, der ist vielleicht nicht zukunftsträchtig. Der Besitzer des Ladens meiner Mama beispielsweise ist auch online im Geschäft.

Ich habe außerdem eine Entwicklung bei mir beobachtet: Ich war früher eine „Shopping-Queen„. Stundenlang konnte ich mich nach einem bestimmten Teil suchend in den Geschäften Hamburgs aufhalten. Heute macht mir das keine große Freude. Einmal im Jahr reicht vollkommen. Und dann sind wir meist mit und für die Kids unterwegs.

Ich für meinen Teil werde wohl weiterhin eine Online-Shopperin sein – und ich bin froh, dass das so ist.

Nutzt den Tag!

 

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