Schöne Zähne – heutzutage für alle selbstverständlich?
Ich war gestern mit meinen Kids beim Zahnarzt. Beim Kinderzahnarzt, wohlgemerkt. Ich bin echt froh, mir neulich die Mühe gemacht zu haben, nach einer speziellen Kinder- und Jugendzahnarztpraxis zu suchen. Und was soll ich Euch sagen? Bei kids Eppendorf fühle ich mich und meine Kinder ernstgenommen und gut aufgehoben. Und was mir vor allem gefällt: Meine Kinder stehen im Mittelpunkt und dürfen Kind sein, im halbgläsernen Wartespielzimmer mit Aquarium, auf den Behandlungsstühlen, auf dem kindgerechten Kinderklo und am Kindertresen im Empfangsbereich. Es ist selten, dass meine Rasselbande in ihrer Lautstärke, Aufgeregtheit und Angst so warmherzig und dennoch beherzt behandelt wurde.
Meine Große hat meine Zähne geerbt, das weiß ich, seit ich gestern ihr Röntgenbild betrachtet habe. Unser beider Oberkiefer ist recht eng angelegt – Platz für die Zähne ist Mangelware. Bei mir stehen die Zähne deshalb sehr eng beieinander, einige sind ganz minimal verschoben, was das Putzen mühsam macht. Aber: Mit der mir eigenen Disziplin ist das Hantieren mit Zahnseide, Zahnzwischenraumbürstchen und E-Bürste längst alltägliche Gewohnheit.
Doch sollen die eigenen Kinder auch die eigenen Zahn-Erfahrungen machen müssen? Nein! Deshalb soll mein Mädchen jetzt eine Zahnspange bekommen! Die erweitert die Enge, so dass die kommenden und hoffentlich lange gesund bleibenden Zähne ausreichend Platz haben werden.
Zahnspange mit 5 – YaaCool-Zahnexpertin behandelt zufällig meine Tochter
Das zumindest ist der Plan. Ich war etwas überrascht: Eine Zahnspange? Mit Fünf? Ja, das sei sogar ziemlich erfolgreich, meinte Heike Schoebel, Fachärztin für Kieferorthopädie, die – und das glaubt mir jetzt keiner, obwohl es wahr ist – YaaCool auch als Zahn-Expertin mit Rat und Tat zur Seite steht. Welch ein Zufall, dass ich mit meinen Kids genau in der Praxis lande – wohlgemerkt, ohne es vorher zu wissen – in der sie jetzt arbeitet. Ich hatte keinen Schimmer, dass sie auch mit Kindern arbeiten, Frau Schoebel!
Gut, zurück zur Zahnspange: Ich möchte für mein Mädel selbstverständlich nur das Beste, und … äh, Schönste. Also willigte ich in die Behandlung ein, einen Kostenanteil muss ich wohl vorauszahlen, den bekomme ich laut der Ärztin aber wieder, weil die Therapie alterstechnisch früh beginnt. Im Hinterkopf hatte ich als Begründung auf einmal den blöden Spruch von Oma: “sonst findet die keinen Mann!” Den sagte ich natürlich nicht laut. Als wenn das das Wichtigste wäre!
Meine Tochter durfte sich also die Spangenfarbe auswählen, natürlich wählte sie irgendwas mit Glitzer! Die Spange wird voraussichtlich drei Monate fest installiert werden, dann soll das Kind eine andere bekommen, die sie nur nachts tragen muss.
Die Technik in der Medizin hat sich enorm entwickelt – dieser Zahnarztbesuch hat mir das deutlich gezeigt. Und so gehe ich nicht ohne ein bisschen Neid- oh, nein, habe ich wirklich Neid geschrieben? – auf die Kinder von heute nach Hause. Hätte mein Kinderzahnarzt damals Anfang der 80er schon diese Möglichkeiten gehabt! Wie mein Lächeln heute wohl aussähe?
Fallen Euch auch diese Zahnarztsprüche ein: Das Lächeln ist die schönste Art, anderen die Zähne zu zeigen. Oder: Die beste Waffe ist Ihr Lächeln!
Klar könnte ich meinen Zahnlook jetzt noch ändern. Schließlich bin ich damit nicht hundertprozentig zufrieden. Aber ist es nötig, müssen wir alle einheitlich schöne Zähne wie die Beauties in Hollywood haben? Ganz abgesehen davon, dass ich mir sowas wie Lumineers gar nicht leisten könnte. Wir finden ja nicht mal eine bezahlbare Wohnung! Und eine Zahnspange mit Ende 30? Das ist auch nicht gerade der Hit, oder Mädels?
Da fällt mir gerade der Anfang von “Keinohrhasen” ein, wo unser aller deutscher Schönling Til Schweiger alias Ludo den verschönten Jürgen Vogel interviewt: Ein Paradebeispiel dafür, wie schöne Zähne zur Farce werden können.
Nutzt den Tag!
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[...] frage mich, ob all diese Menschen gegebenenfalls als Eltern schon sehr viel früher etwas in Sachen Zahnästhetik bei ihren Sprösslingen unternehmen [...]